Die verhexte Toilette

 

Probleme im Anflug

Vor einigen Wochen hatten wir erfahren, dass die Jupfis bald auf Lager fahren würden. Ein verlängertes Wochenende, auf einem Zeltplatz im Grünen.  Wir Rover, selbstverständlich operierend unter pfadfinderischen Grundsätzen wie “Allzeit bereit” oder “Jeden Tag eine gute Tat”, waren sofort begeistert. Schnell war der Entschluss gefasst, die Jupfis zu überfallen. Ob es sich dabei um eine gute Tat handelt könnte man sich nun streiten, aber wir fandens alle gut, und das ist doch schonmal was. Aufgrund der Spontanität des Unterfangens konnten wir leider nicht alle mitkommen, aber unter zuzug einiger truppexterner Hexenmeister bekamen wir doch eine kleine aber äußerst magische Truppe zusammen.

Zu viert trafen wir uns am Samstagvormittag, der Plan schon früh am Tag dort aufzutauchen und den Überfall vorzubreiten. Wir planten einige zauberhafte Indizien zu hinterlassen, um den Kindern eine Art Vorahnung zu geben welch magisches Treiben um sie herum passieren würde. Getragen von einer, von pinken Schmetterlingen begleiteten, Wolke flogen wir quer durchs Land, die Laune so hoch, dass selbst die stark begrenzte Beinfreiheit unseres magischen Transportmittels kaum auffiel. Vorwärts zum grünen Zeltplatz rauschten wir voran, geleitet von der feenhaften Stimme der Navigation, den Kofferraum voll magischer Zutaten.

Als wir uns unserem Ziel zu nähern schienen machten wir kurz halt, um uns zu orientieren, schließlich wollten wir ja nicht entdeckt werden, und einfach stur weitersausen hätte uns gewiss mitten zwischen den Jupfis landen lassen. Dort sondierten wir unsere Position noch einmal, verglichen sie mit der, welche uns einer der Leiter zugesandt hatte, und stellten fest, dass der Ort, an welchem wir gelandet waren, zwar wirklich wunderschön war, aber leider irgendwie nicht der Richtige. Es stellte sich heraus, dass es mehrere grüne Zeltplätz gibt auf der Welt, und dass der hier leider der Falsche war. Nach einer uns Hexen nur allzu typischen diskussion wessen Schuld ein solches Misgeschick war, erreichte die Stimmung einen Tiefpunkt. Nicht nur waren wir in die komplett falsche Richtung gefahren, wegen des langen Weges war nun auch der Plan, gegen Mittag schon ein wenig Indizien auszustreuen, während die Jupfis auf einer Wanderung waren, war somit im Kessel. Dennoch rafften wir uns zusammen , und nach einem kleinen Mittagessen mit Eisnachtisch begaben wir uns auf die lange Reise zum nächsten grünen Zeltplatz.

Den ganzen Weg über grübelten wir, welch alternative magische Missetaten wir an den unwissenden Zeltenden vollführen würden. Etwas Gutes hatte die ganze Sache, nachdem wir am falschen Ort gewesen waren hatten wir mit den Jupfileitern telefoniert, welche von unserem Überfall in Kentniss gesetzt gewesen waren, und hatten ihnen von unserem Verfahren erzählt, und ihnen mitgeteilt, dass wir nun aufgegeben hätten und einfach nur noch heim wollen würden. Das überaschungsmoment war nun also vollends auf unserer Seite, und böse kichernd rauschten wir übers Land.

Es ist Magie im Busch

Beim nächsten grünen Zeltplatz angekommen stellten wir glücklich fest, dass dies der Richtige sein musste. Aus Furcht entdeckt zu werden parkten wir unser Wölkchen mitsammt der Schmetterlinge etwas abseits im Dorf und schickten uns an, zu Fuß weiterzugehen. Der Platz war schnell erreicht, und wir schlugen uns ins Gebüsch, um das Gesehenwerden zu vermeiden. Der Platz war ein größerer, auf welchem gerade viele Pfadfinderstämme zu campieren scheinten. Er lag in einem Tal, zwischen Bäumen, welche wir als Deckung nutzten, während wir die umliegenden Hügel hinaufstiegen, um einen Besseren Blick zu erhaschen, in der Hoffnung unsere Jupfis zu erspähen. Es war ein abenteuerliches Unterfangen, wie wir da steile Hügel hinauf, durch hohe Graß, tiefe Wälder. Laub, Unterholz, über Stacheldraht, steile Hügel wieder herunter und über einen kleinen Bach geisterten, alles geduckt und äußerst vorsichtig. Wir hatten den Platz beinahe vollständig umrundet, bis wir unsere Jupfis fanden. Ihre Stimmen schon von weitem klar zu erkennen. In sicherer Entfernung entschieden wir, ein kleines Basislager einzurichten, und die Dunkelheit abzuwarten. Dummerweise hatten wir, um wendiger und beweglicher zu sein, unsere magischen Utensilien und, besonders nervig, unser Essen bei den Schmetterlingen gelassen, und so begaben sich einige von uns noch einmal auf den Weg zurück. Es lief alles gut, bis wir zu überheblich wurden und auf der Straße in Richtung Dorf entlangliefen, wo uns unser Glück verließ, und uns hinter einer Kurve ein großes silbriges Gefährt entgegenkam. Der großteil erkannte die Gefahr sofort, bei unserem Leihexer dauerte es etwas länger, aber nach einigen Sekunden erkannte auch er, dass wir geliefert waren. Der Wagen gehörte einer unserer Jupfileiterinnen, der schlimmste Fall war eingetreten, wir waren entdeckt worden. Glücklicherweise stellte sie sich als cool heraus, und freute sich in der Verschwörung mitzumischen, und versprach den anderen nichts von unserer magischen Präsenz zu veraten. Nach diesem Schrecken waren wir extra vorsichitg, und unsere Materialien gelangten samt tragender Hexer volständig ungesehen zum Basislager. Dort verbrachten wir die nächsten Stunden damit, eine Verwünschung zu planen…

Ganz viel Schall und Rauch

Als die Zeit des Überfalls gekommen war eilten wir den Hügel hinunter, auf welchem wir bis eben ausgeharrt hatten. Geschwind bereiteten wir den Zauber vor. Fackeln wurden aufgestellt, Kerzen entzündet, Knicklichter geknickt und Arme dekorativ und definitiv ritualrelevant drapiert. Wir hatten uns etwas wahrhaft diabolisches ausgedacht, wir wollten die Jupfis dort treffen wo es wehtut. Wir würde ihre Toilette verwünschen. Rauch und Lichter quollen aus den Kabinen während wir uns aufmachten, die Jupfis über ihr Unglück aufzuklären. Schnell waren sie alle wach, auch wenn wir eines der Zelte umlegen mussten, um einige vermutlich stark pubertär bedingt trotzigen Jungen auf die Beine zu treiben. Es war schon ein kleines Spektakel, wie wir da kamen, mit Fackeln und in Kostümen, begleitet von den gruseligen Klängen einer ungeübten Melodica. Bald waren alle Kinder bei der verzauberten Toilette versammelt. Wie wir erfuhren waren wir wohl nicht die einzigen Hexer in diesem Ort, denn die Toilette schien schon vor unserem bombastischen Auftritt den Ruf gehabt zu haben, verflucht zu sein.

Die Kinder hatten nun einige Aufgaben zu erfüllen, um ihre, anscheinend doch nicht so sehr wie wir hofften, geliebte Toilette zurückzubekommen. Sie durften Lieder singen, darunter auch ein Geburtstagslied für eines der Kinder, welches gerade an diesem Tag sein Wiegenfest feierte, einige magische Leuchtstäbchen einsammeln, Sternbilder herausdeuten, einige magische Leuchtstäbchen einsammeln, ein paar Fragen zur Pfadfinderkultur beantworten, einige magische Leuchtstäbchen einsammeln und hatten alle viel Spaß dabei. Sogar die beiden trotzigen Pubertierchen tauten auf und sangen am Ende mit.

Zur Belohnung, dass sie unsere Prüfungen so gut gemeistert hatten bekam die Truppe dann nicht nur ihre Toiletten zurück, sondern dazu auch noch ein paar Süßigkeiten, welche die Leiter verteilen sollten.  Wir stellten noch das Zelt wieder auf, welches wir zuvor umgeworfen hatten, verabschiedeten uns  und verschanden wieder in der Nacht, so still und leise, wie wir gekommen waren.

Alles in allem hatten wir einen Riesenspaß, und auch für die Jupfis war dieses kleine Abenteuer ziemlich lustig, und wer weiß, vielleicht ist das nächste Lager das wir verhexen ja deins…

Gut Pfad!