Eine Klatsche Abstand

Nachdem Silvester in Westernohe letztes Jahr zu so vielen wunderbaren Erinnerungen, beziehungsweise Erzählungen für diejenigen, die sich nicht mehr erinnern konnten, geführt hat, sind wir auch dieses Jahr wieder an den Ort des Geschehens gefahren. Zusammen mit den Stämmen aus Friedrichsfeld und der Neckarstadt errichteten wir dort unser Lager, nachdem wir uns von  anderen Stämmen auf dem Platz ein halbes Jurtendach organisiert hatten. Wir hatten bestimmt absichtlich nur die Hälfte dabei, weil wir schon beim Aufbau Kontakt zu den anderen Stämmen auf dem Platz aufbauen wollten, und keineswegs aufgrund vermeidbarer Inkompetenzen auf unserer Seite.

Alsbald ward aber das Lager errichtet, und die Festivitäten liefen an. Nebst gutem Essen und der ein oder anderen Missachtung des Alkoholverbotes brachte sowohl die mittgebrachte, als auch die schon auf dem Platz vorhandene Gesellschaft viel Frohsinn in die Runde, und so sangen, scherzten und lachten wir bis tief in die Nacht hinein.

Trotz dessen kamen wir am nächsten Morgen gut aus den Schlafsäcken und setzten unser fröhliches dasein fort. Heute Abend würde der Jahreswechsel von statten gehen, der Höhepunkt des Lagers stand also bevor, und wir stürzten uns in die Vorbereitungen. Brot und Getränke wurden eingekauft und alsbald wurde mit den Vorbereitungen des Essens begonnen. Es sollte uns natürlich kein Hunger quälen, und so hatten wir entschieden, nicht eines, sondern gleich zwei Abendessen zuzubereiten.

Begonnen haben wir mit einer leichten Buchstabensuppe, von der jeder bestimmt zwei Liter konsumierte, und anschließend, nur wenige Stunden später gab es dann den Höhepunkt des Abends: Das Käsefondue. Bereits im vorigen Jahr hatte sich ein Käsefondue in der letzten Nacht des Jahres bewährt, und wir waren entschlossen, dies nun als Tradition fortzuführen. Die Vorbereitungen liefen gut, doch dann passierte es… . Eine gemeingefährliche lustige Kennenlernlokomotive bahnte sich ihren Weg in das  Zelt und versuchte mit aller Macht, die Zubereitenden mit purer Nervigkeit in den Wahnsinn zu treiben. Dieser Akt destillierter Boshaftigkeit sollte in die Geschichte eingehen als das niederste verabscheuungswürdigste Verbrechen der Geschichte der Pfadfinder. Die Köche jedoch, welcher in jener Nacht zu Helden werden würden, zeigten ihre wahre Stärke und widerstanden Tapfer den Angriffen und Versuchungen dieser terroristischen Handlungen gegen Tradition, Silvester und Käsegenuss. Ihre Namen werden auf ewig geehrt werden in den Herzen aller, welche an jenem Abend nur aufgrund solch wahrhaftig legendären Wiederstandkraft gegen die Kräfte des Bösen das Käsefondue genießen durften.

Zufrieden und viel zu vollgefressen ging es dann doch recht stark auf die Zwölf zu, und so schickten wir uns an, oben mit den anderen Bewohnern des Platzes das neue Jahr in Empfang zu nehmen. Guter Dinge erreichten wir die Arena, in welcher gerade das Feuerholz aufgeschichtet wurde. Aus vollem Herzen gaben wir mehr oder minder melodische Untermalung zu dieser ehrwürdigen Szene. Auf Schlag Zwölf ging die Hölle los, und voll Freude tanzten, sangen, umarmten und lachten wir im Schein des Feuers und der Pyrotechnik. Leider löste sich ein Großteil der Versammlung oben in der Arena recht schnell auf, und so gingen wir nach etwas ausgiebigem Gegröle zurück zu unserem Lagerplatz, um dort die Feier fortzusetzen. Schnell fanden auch viele andere Stämme herraus, dass es bei uns am coolsten ist, und so wurde die Runde immer größer und die Stimmung immer heiterer.

Dieses Jahr war wieder eine einzigartige Erfahrung, wir hatten wunderbares Wetter, die Stimmung war Klasse, und es wurde sehr viel erlebt. Die auf diesem Lager geschlossenen Freundschaften werden nicht nur Individuen, sondern ganze Stämme für eine lange Zeit stark miteinander verbinden, und auch in der Zukunft noch für viel Freude sorgen. In dieser Nacht kamen wir alle zusammen, zu etwas, das größer war als die Summe seiner Teile. In dieser Nacht spürten wir alle, was es bedeutet, ein Pfadfinder unter Pfadfindern zu sein. Mit einer Klatsche Abstand versteht sich. So vereint feierten wir munter bis die Sonne sich wieder über den Horizont schob.

Der Rest des Lagers verlief harmonisch, auch wenn eine wunderbare Mahlzeit leider ausgesetzt werden musste, weil sich niemand erbarmte, deren Zubereitung zu übernehmen. Die Festivitäten wurden fortgesetzt und der Abbau ging schnell und einfach von der Hand, auch wen angemerkt werden sollte, dass die gleichen Individuen, welche zuvor den böswilligen Anschlag auf das Fondue verübt und sich geweigert hatten, die fehlende Mahlzeit zuzubereiten, nun beim Abbau nicht auffindbar waren, weil anscheinend das Anschaffen von Souveniers in der Form von Honig und der anschließende Konsum von Pfannkuchen wichtiger wäre als Zusammenhalt und Courage. Trotzdem ging der Abbau gut voran, und es konnte alsbald die Heimreise angetreten werden, mit dem Versprechen, sich im nächsten Jahr am selben Ort wieder zusammen zu finden.