Aufgrund der allgemein präsenten Corona Pandemie fand auch dieses Jahr die Rosskur wieder dezentralisiert statt. trotzdem haben wir es uns aber natürlich nicht nehmen lassen, auch hier tapfer mitzumarschieren. Und wieder war es ein Abenteuer ohne gleichen. Unsere Truppe musste viele verluste hinnehmen, gewann aber auch stets neue Wegbegleiter, also war es okay. Gestartet sind wir dieses Jahr wieder i Herzen Neckaraus, von wo aus wir uns direkt auf den Weg in Richtung Friedrichsfeld gemacht haben. Während dieser Etappe machten sich bereits die ersten Beschwerden bemerkbar, als einem Mitglied unseres Trios ein Stein in die guten Wanderschuhe geriet. Trotz Bemühungen seitens der Teamkameraden konnte der Stein erst entfernt werden, als wir schließlich in Friedrichsfeld ankamen. Der Schaden war leider bereits angerichtet. Noch nichts ahnend setzten wir die Reise fort, und klingelten bei einem alten Freund der Truppe. Dieser freute sich riesig, und führte uns nicht nur zu einem hervorragenden Dönerladen, sondern begleitete uns dann auch noch ein langes Stück bis tief in die Nacht.

Als wir unsere Döner verspeißten, stieß auch noch ein weiteres Mitglied unserer Truppe dazu. Nun waren wir zu fünft, nach langer Zeit der Coronaisolation fühlte es sich beinahe an wie auf einem Großlager. Aber dies sollte nicht ewig halten…

Nach vertilgtem Döner machten wir uns auf. Im Licht der Abendsonne liefen wir vorbei an Feldern und Wiesen, die Luft war kühl und rein. Wir sangen viele Lieder und feierten ausgelassen unsere tolle Reise. Als wir dann am Horizont wieder Häuser erblickten, kam es zu unserem ersten Verlust. Unser Freund aus Friedrichsfeld wurde gepackt von der Müdigkeit, und wir mussten uns schweren Herzens aufteilen. Wir beklagten den Verlust, aber wir waren uns sicher, zu viert würden wir bleiben. Eine starke Truppe waren wir, und so machten wir uns auf in die Nacht.

Die Dunkelheit brach über uns hinein, als wir gerade Schwetzingen erreichten. Dort wurden ein letztes Mal unsere Vorräte aufgestockt, bevor es endgültig in die Nacht hinein ging. Die Stimmung war gut, aber langsam machten sich die Folgen des Steins bemerkbar. Dieses kleinen Geröll, welchem es bereits vor unserer Ankunft in Friedrichsfeld gelungen war, den Schuh eines unserer Kamerade zu infiltrieren, würde dessen Ende sein. Nach einer Kurzen Rast wurde eine Entscheidung getroffen, und auch ihn verlor die Truppe. Mit einem Taxi musste der Gute Mann des Nachts nach Hause gefahren werden. Plötzlich waren wir nur noch zu dritt. Nichteinmal mehr die selben drei, welche den Weg in Neckarau begonnen hatten. Nur noch wir drei, und die Dunkelheit.

In anbetracht der kommenden Strecke setzten wir unsere Wanderung nun fort. Wir hatten unterwegs in bestimmten zeitintervallen Aufgaben erfüllen müssen. WIr hatten uns bereits zuvor nur bedingt Mühe gegeben, aber nun, da wir bereits so viele Verluste hinnehmen mussten und die Nacht nun im vollen Glanze stand, war unsere Motivation auf ihrem Nullpunkt. Für die Aufgaben zumindest, Marschiert sind wir wie die Könige.

Wir striffen durch die Dunkelheit, kamen gut voran. Es war zu dieser Zeit, als uns auffiel, dass die für uns generierte Route eine Rheinüberquerung vorsah, die uns um diese Zeit nicht möglich sein würde. Die Fähre, über welche der Algorythmus uns leitete lag nachts um halb vier still am Ufer, und würde sich für viele Stunden hin noch nicht bewegung. Panik brauch aus. Würde dies das Ende unserer Expedition sein?  Wir waren bereits so weit gekommen, hatten so viele Verluste hinnehmen müssen. Nein! Der Winterdienst ist zäh. Clever wie wir waren fanden wir auf unserer Karte alsbald einen Pfad, welcher uns sicher über den Fluss geleiten würde. Eine autobahnbrücke im Süden sollte unsere Mission retten. Den Plan gefasst, machten wir uns auf den Weg.

An der Brücke angekommen mussten wir feststellen, dass “sicher” hier sehr relativ betrachtet werden musste, da die Brücke weder eine Rad- noch eine Fußwegsführung besaß. So mussten wir uns mit dem schmalen Bereich zwischen Leitplanke und Geländer begnügen, und sogar einmal um eine Wetterstation herumklettern. Neben uns rauschten die Autos vorbei, und unter uns war der dunkle Abgrund des sicherlich tödlichen Nass. Dennoch ließen wir uns nicht beirren und überquerten den Fluss. Tapfer und schweigend.

Nach einer weiteren Stunde Dunkelheit schoben sich langsam die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont. WIr erreichten Otterstatt im frühen Morgengrauen, und rastetet dort an einer Bushaltestelle, gewärmt vom Gedanken an eine Frühstücksbretzel. Die Rast tat uns allen gut, aber dennoch mussten wir bei der nächsten Aufgabe feststellen, dass wir dem Wahnsinn doch mehr anheim gefallen waren, als wir zunächst angenommen hatten. Anscheinend war dies aber ganau das, was sich die Juroren wünschten, denn wir stachen hier als angeblich beste Gruppe hervor.

Der daurauffolgende Vormittag war entspannt. Das Wetter war wundervoll und die Landschaft war schön, aber wir waren müde, und unsere Füße schmerzten. Schlussendlich entschieden wir, dass wir eigentlich von viel zu viel Zeit übrig hatten, und legten eine weitere lange Pause am Rheinufer ein. Hier hielten wir unsere Füße in das kühle Wasser, welches uns vor vielen Stunden noch zu einem großen Umweg gezwungen hatten. Die Nacht war vorrüber. Der Schrecken war gebannt, die Reise neigte sich ihrem Ende. Die letzten der sechzig Kilometer unserer Wanderung verliefen ruhig. Wir überquerten den Rhein über die Fähre, und liefen langsam zurück nach Hause. Dort legten wir uns ins Bett. Ruhten uns aus, um bereit zu sein für die kommenden Abenteuer.

Gut Pfad!