Pfadfinder aus aller Welt kennenlernen, und das ohne Neckarau zu verlassen, geht das denn?

Ja lautet die Antwort. Vom 18. Bis zum 20. Oktober fand das JOTA/JOTI statt, und unsere Jupfis waren zum ersten Mal nach vielen Jahren wieder dabei. Wir haben uns in erster Linie mit dem JOTI-Teil der Aktion auseinandergesetzt. JOTI steht für „Jamboree On The Internet“, also ein Pfadfindergroßlager im Internet. Dies mag für viele jetzt widersprüchlich klingen, wo Pfadfinder doch so viel mit Natur und direktem Kontakt zu anderen Menschen zu tun haben, aber im Gegenteil. Beim Pfadfindern geht es eben nicht nur darum draußen in der Natur herumzutollen und ums Lagerfeuer zu sitzen, sondern auch darum, neue Dinge zu lernen, sich in der Welt zurechtzufinden, fremde Kulturen kennenzulernen und den eigenen Platz in der Welt zu verstehen. Aber kann man das vor einem Computerbildschirm?

Begonnen hat das Lager am Freitag mit einer Einweisung in die zur Verfügung stehenden Computer und den Schutz persönlicher Daten. Schon allein dies war für die Jungpfadfinder eine spannende neue Erfahrung. Viele von Ihnen erlernten in dieser Stunde Ihre ersten Kenntnisse über ein Gerät, welches aus den Leben der meisten Menschen unseres Zeitalters kaum mehr wegzudenken ist. Als ersten Programmpunkt gab es mehrere Chaträume, in welchem die Jupfis mit Pfadfindern aus aller Welt schreiben konnten. Anfangs blieben sie noch im Deutschsprachigen Raum, doch schon bald wagten sich die Ersten auch an die englische Sprache heran. In kürzester Zeit hatten die Kinder schon Kontakte zu vielen Pfadfindern aus unterschiedlichsten Ländern aufgebaut, und waren alle so begeistert, dass sie kaum zum Abendessen kommen wollten.

Nach dem Abendessen ging es weiter mit den Chaträumen. Es gab zwar noch einige andere Angebote, aber da die Kinder so viel Spaß hatten wurden diese für die nachfolgenden Tage aufgehoben. Eine Besonderheit bei diesem Lager stellten die Schlafenszeiten da. Es gab nämlich keine. Anders als bei anderen Lagern hatten die Kinder keine Vorgaben wann sie zu schlafen hatten, denn wenn man mit jemandem in einer anderen Zeitzone Kontakt aufnehmen will, dann wäre es ja praktisch wach zu sein, wenn er es auch ist. Es standen zwei Schlafräume bereit, und die Kinder durften frei wählen wann sie schlafen und wann sie wach sein wollten.

Gegen Mitternacht gab es dann zur Stärkung eine Suppe, den sogenannten Mitternachtssnack, welchen die Jupfis gierig verspeisten während sie sich über die vielen Pfadfinder aus anderen Kulturen austauschten, mit denen sie in den vergangenen Stunden Kontakt aufgenommen hatten. Danach ging es noch etwas an die Computer, doch bald schon wurde selbst den tapfersten Jupfis bewusst, dass auch wenn es einem nicht vorgeschrieben wird, es doch weise ist irgendwann ins Bett zu gehen.

Am nächsten Morgen ging es dann nach einem stärkenden Frühstück munter weiter. Für den heutigen Tag waren neben den Chaträumen auch noch ein Skype-Videoanruf und einige Teamspeak-anrufe geplant. Der Skype-Videoanruf lief bandbreitenbedingt eher mäßig gut, aber die Anrufe über Teamspeak schienen einige der Kinder zu begeistern. Mit Leuten von aller Welt zu schreiben ist schon beeindruckend, aber direkt mit ihnen zu sprechen gibt dem Ganzen nochmal ein gewisses etwas.

Während der gesamten Aktion sollten die Jupfis auf einer großen Weltkarte festhalten, von welchen Ländern die Pfadfinder herkamen, mit denen sie redeten. Und auch wenn im Eifer des Gefechtes bestimmt ein paar Länder vergessen wurden, füllte sich die Landkarte rasch. Viele der Kinder hatten sich vorher noch nie so direkt damit beschäftigt welche Länder es auf der Welt gibt, und wo diese liegen, und so lernten sie, ohne es zu merken auch hier noch eine ganze Menge dazu.

Gegen Nachmittag gab es dann nach einem kleinen Spaziergang an der frischen Luft noch ein ganz besonderes Projekt. Die Jupfis durften sich an einem Lötkolben versuchen und unter genauer Anleitung durften sie sich alle je ein Abzeichen Löten, welches auf Knopfdruck zu blinken begann. Auch wenn die meisten so etwas vorher noch nie gemacht hatten waren sie voller Begeisterung dabei, und konnten am Ende alle stolz ihre Ergebnisse präsentieren.

Der Lötkolben wurde dann auch noch genutzt um ein Morsegerät zu basteln, welches die Kinder gegen Abend nutzten, um sich spielerisch an das Morsealphabet heranzutasten. Abwechselnd sendete immer ein Jupfi eine Nachricht, welche die anderen, mittels eines Morseschlüssels, übersetzen sollten. Auch hier war der Spaß unter den Kindern groß.

Mit gefüllter Landkarte und vielen neuen Erlebnissen mit Pfadfindern rund um den Globus ging das Lager dann am Sonntagmittag nach gemeinsamen aufräumen dann zu Ende, die Kinder schon voller Vorfreude auf das nächste Mal.

War es denn nun so un-pfadfinderhaft? Ich würde sagen, das eigentlich nicht. Die Jupfis haben ein Wochenende lang Pfadfinder aus der ganzen Welt kennen gelernt, sind über ihre eigenen Schatten gesprungen und haben sehr viel Neues ausprobiert. Und wem das noch nicht genug ist, der denke mal an das Motto von Baden-Powell, dem Gründer der Pfadfinder: „Learning by doing“. Denn das haben die Jupfis an diesem Wochenende wirklich viel getan. Nicht nur haben sie gelernt wie man mit einem Computer umgeht, einen Lötkolben benutzt, wo viele Länder auf der Weltkarte liegen, dass die englische Sprache doch gar nicht so gruselig ist, wie man merkt, dass man doch irgendwann ins Bett gehen sollte, wie man Morsecode interpretiert und wie wichtig es ist vorsichtig mit persönlichen Daten umzugehen, sie hatten auch noch einen riesigen Spaß dabei es alles praktisch und sicher auszuprobieren. Außerdem haben sie einen Einblick erhalten, wie viele Pfadfinder es eigentlich so auf der Welt gibt, und das auch sie Teil dieser riesigen Gemeinschaft sind, die alle zusammenhalten um die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Also Ja, Pfadfinderlager geht auch vor dem Bildschirm! Auch wenn wir natürlich unsere Natur, Zelte und Lagerfeuer sobald nicht aufgeben werden war die diesjährige JOTI-Aktion ein großer Erfolg für alle Teilnehmenden, und wir aus Neckarau werden nun auch in den kommenden Jahren wieder dabei sein. Wenn du auch Lust darauf hast, dann freue dich mit den Jupfis auf den Oktober 2020. Wir sind schon richtig gespannt, welche Bekanntschaften wir da wohl schließen werden.

Gut Pfad!