Das Jahr 2018 ist für uns Pfadfinder in Neckarau ein besonderes Jahr gewesen, denn unser Stamm wurde 90 Jahre alt.

Doch wie kam das genau? Im Jahr 1928 hält der Pfadfindergedanke Einzug in die Wandergruppe des Jungmännervereins in Neckarau. Die damals neun Mitglieder treffen sich regelmäßig, erwerben das Pfadfinderreglement und bekommen vier Jahre später ihr erstes Banner gestiftet, welches bis heute existiert. In der kurzen Zeit bis 1933, als die Pfadfinder dann verboten werden, verdoppeln sich die Mitglieder auf 20. Während des zweiten Weltkrieges ist das Banner sicher verwahrt in einem Keller vergraben und die Treffen finden nur inoffiziell und selten statt. 1948 wird der Stamm dann wiedergegründet. Seitdem wachsen die Pfadfinder Neckarau stetig (zwischenzeitlich auf über 150), Neckarau initiiert Neu-Gründungen in verschiedensten Stadtteilen Mannheims, die zum Teil bis heute bestehen, und es finden spannende Fahrten, Aktionen und Lager statt. 1967 gibt sich der Stamm dann den Namen Thomas Morus. Heute zählt der Stamm Thomas Morus Mannheim-Neckarau nicht nur 90 Jahre, sondern auch 90 Mitglieder und freut sich, weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Kinder- und Jugendarbeit in St. Jakobus zu sein.

In diesen 90 Jahren blicken wir, sowie alle Freunde und Ehemaligen, auf viele kleine und große Geschichten zurück. Viele davon wurden sich unter den Gästen beim diesjährigen Hoffest erzählt, das als großes Jubiläums-Fest gefeiert wurde.

Der Beginn des Hoffestes am 8. September wurde mit einem offiziellen Fahnenappell zelebriert. Alle Pfadfinder standen in Kluft um den Fahnenmast vor dem Gemeindesaal und lauschten der spannenden Geschichte, wie die Gründer-Fahne den zweiten Weltkrieg überdauerte. Im Anschluss ging die Festgemeinde in den Hof, dessen Eingang ein Tor, gebaut aus Holzstämmen, schmückte. Im Hof selbst konnten bei guten Gesprächen sowie Kaffee und Kuchen zum Beispiel gebastelte Miniaturzelte auf den Tischen bewundert werden und es fand Kinderbespaßung am Lagerfeuer mit Stockbrot und Geschichten statt.

Aber auch die 90-jährige Chronik fand beim Hoffest seinen eigenen Rahmen. Zum einen wurden zu jedem angesagten Programmpunkt Anekdoten aus verschiedenen Jahren verlesen, zum anderen waren die Eckpunkte in Form eines interaktiven Zeitstrahls nachzulesen und mit eigenen Erinnerungen zu ergänzen.

Das absolute Highlight bei der diesjährigen Verpflegung war das selbst gebraute „Jubiläumspils“. Ein befreundeter Braumeister erfüllte uns den Wunsch nach einem eigenen Pfadi-Bier, welches an einem Wochenende – begonnen von der Malz-Auswahl über die Herstellung des Suds und unter fortwährender Verköstigung – gemeinsam hergestellt wurde. Bereits um 21 Uhr waren die selbst gebrauten100 Liter leer – es hat unseren Gästen wohl genau so gut geschmeckt wie uns.

Diesmal war die Feier am Samstag Nacht noch nicht vorbei, denn anlässlich des Jubiläums feierten wir gleich über zwei Tage. Zum traditionellen Samstag kam also noch der Sonntag mit einem Gottesdienst und dem anschließenden Frühschoppen dazu. Auch im gut besuchten Gottesdienst, den unsere Kuratin Christine Kaiser mit Unterstützung von Lina Graf vorbereitet hatte, wurden weitere Anekdoten aus den 90 Jahren Pfadfinder Neckarau erzählt. Einige der Protagonisten waren sogar anwesend und konnten die Geschichten beim anschließenden Plausch im Hof noch weiter ausführen. Das Angebot des Frühschoppens wurde -für uns komplett überraschend- gut angenommen, was Spekulationen über eine Fortführung (und bessere Kalkulation 😉 ) zulässt…

Wir danken allen, die dieses Fest zu dem gemacht haben, was es war: grandios! und freuen uns schon auf weitere Hoffeste, Gesichter, Anekdoten und natürlich die nächsten 10 Jahre bis es dann heißt: 100 Jahre Pfadfinder Neckarau.